Ankommen in der Pflege: Zwei internationale Wege ins UKM Marienhospital
Interview mit zwei internationalen Pflegekräften und Bereichsleiterin Irmgard Kappelhoff zum Tag der Pflege am 12. Mai.

Steinfurt (UKM Marienhospital/kk). Seit rund drei Jahren arbeiten internationale Pflegekräfte am UKM Marienhospital Steinfurt – inzwischen rund 25 bereits gut ausgebildete oder noch im Anerkennungsverfahren befindende Menschen. Sie haben ihre Heimatländer verlassen, um in Deutschland neu zu beginnen – beruflich und privat. Passend zum Tag der Pflege am 12. Mai zeigt das Haus damit, wie Integration im Pflegealltag gelingen kann. Wir haben mit zwei von ihnen gesprochen: Afoua Ncibi Ep Ncibi (37) aus Tunesien, verheiratet, Mutter von drei Kindern, und Diego Cuellar Agudelo (38) aus Kolumbien, verheiratet, Vater von zwei Kindern. Beide stehen jetzt, nach eineinhalb Jahren in Deutschland vor dem entscheidenden Schritt, ihre Familien nach Deutschland nachzuholen und in eigene Wohnungen umzuziehen. Begleitet wird der Integrationsprozess von Irmgard Kappelhoff und ihrem Team am UKM Marienhospital.
Was war in den ersten Wochen im Krankenhaus am schwierigsten – und was hat Ihnen geholfen?
Diego Cuellar Agudelo: Am schwierigsten war die Sprache. Im Kurs lernt man zwar Grammatik, aber im Alltag ist alles viel schneller und anders.
Afoua Ncibi Ep Ncibi: Das stimmt, die Umgangs- und Fachsprache ist einfach ganz anders. Sehr geholfen haben da zum Beispiel eine Stadtführung und Tipps beim Zurechtfinden im Alltag – und es gab ganz viel Unterstützung aus unseren Teams!
Gab es einen Moment, in dem Sie gemerkt haben: Jetzt bin ich angekommen?
Diego Cuellar Agudelo: Als ich meine Anerkennungsurkunde bekommen und alle Prüfungen bestanden hatte. Das war ein sehr glücklicher Moment – da wusste ich, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat.
Afoua Ncibi Ep Ncibi: Ich arbeite in einem tollen Team. Ich fühle mich mit meinen Kolleginnen und Kollegen bei der Arbeit wie zu Hause.
Was hat Sie im deutschen Pflegealltag überrascht?
Diego Cuellar Agudelo: In Kolumbien arbeitet man meistens alleine. Man hat zwar auch ein Team, das betreut aber einen sehr großen Bereich. In Deutschland habe ich gemerkt, dass Teamarbeit in der Pflege eine besondere Bedeutung hat – diese Zusammenarbeit ist sehr toll.
Wenn Sie einer Person aus Ihrem Heimatland erklären müssten, warum es sich lohnt, hier zu arbeiten – was würden Sie sagen?
Afoua Ncibi Ep Ncibi: Die Arbeitsbedingungen sind hier besser, wir verdienen hier wirklich gutes Geld und auch die Lebensbedingungen sind gut. Mir gefällt übrigens auch das Wetter – in Tunesien ist es im Sommer wirklich zu heiß.
Diego Cuellar Agudelo: Viele Leute in meiner Heimat denken, dass die Leute in Deutschland reserviert oder unfreundlich sind. Hier habe ich gemerkt, dass sie sehr nett und freundlich sind – und immer hilfsbereit. Es gibt hier tolle Chancen für meine Kinder. Das Wetter vermisse ich natürlich – in Kolumbien ist immer Sonnenschein. Dafür habe ich hier zum ersten Mal Schnee gesehen.
Wie läuft es aktuell mit der Wohnungssuche?
Diego Cuellar Agudelo: Heute muss ich meine alte Wohnung übergeben, und ziehe in meine neue Wohnung in Borghorst – alles ist gepackt. Und ich habe auch Hilfe beim Umzug. Jetzt will ich diese Wohnung für meine Familie vorbereiten – sie kommt im Herbst nach Deutschland.
Afoua Ncibi Ep Ncibi: Ich bin noch auf der Suche nach einer Wohnung, das Krankenhaus ist da sehr hilfreich. Ich hoffe, dass ich bald ein geeignetes Haus für mich und meine Familie finde. Ich freue mich, wenn sich jemand meldet!
Welche Rolle spielt die Betreuung internationaler Pflegekräfte am UKM Marienhospital?
Irmgard Kappelhoff: Die internationalen Pflegekräfte sind heute fest in die Teams integriert und geschätzte Mitglieder des Hauses. Sie tragen spürbar zur Vielfalt und Weiterentwicklung der Pflege bei. Derzeit arbeiten rund 25 in unserem Haus auf allen Stationen – im diesem und im kommenden Jahr möchten wir 20 weitere Internationale Personen bei uns willkommen heißen. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels in der Pflege sind sie für uns eine sehr wichtige und unverzichtbare Unterstützung.
Welche Unterstützung gibt es im Alltag?
Irmgard Kappelhoff: Wichtig ist vor allem die enge Begleitung durch unser Onboarding-Team und die Pflegeteams. Es ist schön zu sehen, wie viel gegenseitige Unterstützung entsteht – auch ganz praktisch, etwa jetzt bei Umzügen in eine neue Wohnung. Im Rahmen unserer Integrationsarbeit organisieren wir unter anderem Fahrräder für unsere internationalen Pflegekräfte, die primär aus Sachspenden der Krankenhausbelegschaft stammen.
Woran zeigt sich für Sie, dass Integration gelungen ist?
Irmgard Kappelhoff: Die internationalen Pflegekräfte sind vollständig angekommen, haben ihre Anerkennungsurkunden erhalten oder stehen kurz davor. Viele leben bereits selbstständig in Wohnungen, ihre Familien sind nach Steinfurt gezogen, die Kinder gehen zur Schule und haben Freunde gefunden. Andere können jetzt ihre Familien nachholen. Die Mitarbeitenden nehmen an Veranstaltungen des Krankenhauses wie dem Betriebsfest oder der Stationen teil oder haben bereits Anschluss in Vereinen gefunden. Das alles sind für uns deutliche Zeichen für gelungene Integration – und freut uns sehr.
